Spiritualität ist etwas, das leider einen zu guten oder zu schlechten Ruf hat. Entweder weichgespült, oder jeder ist auf einmal „erleuchtet". Jemand, der „denkt", ist nicht so weit, oder jemand, der von Intuition redet, ist dämlich ... Du bist religiös, dann folgst du dem besten Weg, oder du bist eben noch im Mittelalter hängengeblieben. Alles folgt der hermetischen Lehre und alles sind Energien, oder lerne die Basis der Erkenntnistheorie der Wissenschaft ...
So ist es nicht. Es gibt in jeder Kultur Individuen, die zu sehr hohem Bewusstsein vordringen und damit die Spiritualität erkennen, die erscheint, sobald man aufhört, die Landkarte mit der Landschaft zu verwechseln.
Es gibt eine schöne Geschichte von vier Meister-Yogis, von Sadhguru, die sehr schön zeigt, was Spiritualität ist und warum alles spirituell ist, wenn man nur darauf achtet:
,,Es gibt vier Wege, meditativ zu werden.
Du kannst den Körper benutzen, um zu deiner höchsten Natur zu gelangen – das nennt man Karma Yoga.
Wenn du deine Intelligenz benutzt, um zu deiner höchsten Natur zu gelangen, nennen wir das Jnana Yoga.
Wenn du deine Emotionen benutzt, um zu deiner höchsten Natur zu gelangen, nennen wir das Bhakti Yoga – Yoga der Emotion oder Hingabe.
Wenn du deine inneren Energien benutzt oder verwandelst, um zu deiner höchsten Natur zu gelangen, nennen wir das Kriya Yoga.
Eines Tages machen diese vier Yogis zusammen einen Spaziergang.
Normalerweise können sie nie zusammen sein, weil sie nie miteinander auskommen.
Denn Menschen, die dem Weg der Intelligenz oder des Intellekts folgen, verachten die anderen zutiefst.
Sie denken, alle anderen seien verrückt.
Hingebungsvolle Menschen haben Mitleid mit allen anderen Leuten.
Sie denken, die anderen verpassen alles Wesentliche.
Karma Yogis – Menschen des Handelns – denken, alle anderen würden sich irgendwelche Philosophien ausdenken, um ihre Faulheit zu verstecken.
Kriya Yogis verachten alle anderen vollkommen, denn schließlich ist die ganze Existenz Energie.
Wenn du deine Energien nicht verwandelst – was dann?
Diese vier Menschen können also nicht miteinander auskommen.
Aber heute machen sie alle zusammen einen Spaziergang.
Plötzlich bricht ein Gewitter los.
Starker Regen und Wind.
Sie beginnen zu rennen und suchen Schutz.
Der Mann der Hingabe sagt:
„In dieser Richtung gibt es einen alten Tempel. Lasst uns dorthin gehen.“
Er kennt die Lage der Tempel, also rennen sie alle dorthin.
Dann sehen sie einen Tempel, dessen Mauern längst eingestürzt waren – nur vier Säulen und ein Dach.
Darunter, in der Mitte, stand eine Gottheit, ein Bild Gottes.
Sie alle laufen in den Tempel hinein.
Dann wird der Sturm immer heftiger.
Es beginnt von allen Seiten hereinzuregnen.
Um dem zu entgehen, umarmen sie die Gottheit.
Alle vier umarmen die Gottheit.
Nicht weil sie sich in Gott verliebt hätten – sondern einfach, um dem Regen zu entkommen.
Und plötzlich erscheint Gott in den Gedanken aller vier.
Alle haben dieselbe Frage:
„Warum jetzt?
Wir haben so viel Yoga gemacht, so viel Hingabe, so viel Verehrung – und du bist nicht gekommen.
Jetzt, wo wir nur vor dem Regen fliehen, warum bist du gekommen?“
Gott sagte:
„Ich habe gewartet, bis ihr vier Idioten endlich zusammengekommen seid.“
Diese vier müssen also zusammenkommen.
Dann wirst du meditativ."
Spiritualität ist nicht, dass du erschaffst, es ist etwas , dass du wahrnimmst, wenn alle Urteile, alle Gefühle und im Idealfall nicht ein mal mehr körperliche Bedürfnisse dich blenden.
Spiritualität ist nicht etwas, das du erschaffst – es ist etwas, das du wahrnimmst, wenn alle Urteile, alle Gefühle und im Idealfall nicht einmal mehr körperliche Bedürfnisse dich blenden. Ich bin manchmal in diesem Zustand, darf es aber gerne mehr sein. Wenn du dort bist, erkennst du es. Denn dort hören Konzepte wie „Sind das nicht alles körperliche Signale, die du als spirituell deutest" auf, relevant zu sein, und du entlarvst den Mangel an Bereitschaft, eine völlig neue Perspektive in Betracht zu ziehen.